Offener Brief an Herrn Klubdirektor der Wiener SPÖ, Dr. Andreas Höferl!

Sehr geehrter Herr Klubdirektor Dr. Höferl,

der Vorstand des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Clubs (ÖSBC) hat vor einiger Zeit in mehreren Schreiben seine Bedenken zum Wiener Tierhaltegesetz geäussert, die allesamt von Ihnen beantwortet wurden.

Unser letzter Brief mit nachstehendem Inhalt

Sehr geehrter Herr Klubdirektor Dr. Höferl!

Aktuell haben in Österreich 3 Bundesländer (also eine Minderheit) Rasselisten in Hunde- bzw. Tierhaltegesetzen. Die älteste Rasseliste hat Vorarlberg (seit 1992). Zeitgleich führte die Steiermark eine Rasseliste ein, die, auf Grund eines wissenschaftlichen Gutachtens der Vet. Med. Univ. Wien, 1998, wieder abgeschafft wurde.
Damals lebten in ganz Österreich 30, ins Österr. Hundezuchtbuch eingetragene, Staffordshire Bullterrier. Nach unserem Wissen keiner davon in Vorarlberg. Es stellt sich die Frage, weshalb ist der Staffordshire Bullterrier 1992 auf diese Liste gekommen?
Kann ein Hund, den es in dem Land gar nicht gibt, jemanden belästigen oder gefährden? Kann eine Hunderasse, die es in einem Land gar nicht gibt, eine Gefahr für die Bevölkerung dieses Landes darstellen?
Niederösterreich hat den grössten Teil seiner Begründung im Gesetzesantrag und die Rasseliste vom Freistaat Bayern übernommen. Dies erkennt man auch daran, dass die Rasse Rottweiler, als bayrische Hunderasse, in der ursprünglichen Liste in NÖ nicht aufschien.
Es hat den Anschein, als würden diese Rasselisten, auf Grund ihrer Identität, einfach und willkürlich von anderen Ländern übernommen werden.
Jetzt fragt man sich schon, woher die Wiener Rasseliste stammt. Auf Grund der gleichlautenden Auflistung der Rassen vielleicht von Vorarlberg?

Alle diese bestehenden und zum Teil wieder abgeschafften Rasselisten (Steiermark 1998, Tirol 2010, Niedersachsen 2011, Schleswig-Holstein 2016, Thüringen 2018) wurden offensichtlich nicht von anerkannten Experten erstellt.
Es gibt unzählige Studien zum Thema "Gefährliche Hunde", von denen keine einzige beweisen konnte, dass Hunde bestimmter Rassen gefährlicher sind als alle übrigen Hunde.
Dagegen gibt es bereits seit Jahrzehnten weltweit mehrere Studien, die beweisen, dass eine rassespezifische Gesetzgebung nicht den geringsten Erfolg im Sinne der Reduzierung von Beißvorfällen bringt.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Club

wurde Ihrer Antwort zufolge, der Zuständigkeit halber, von Ihnen am 6.3.2019 an die amtsführende Stadträtin, Frau Mag. Ulli Sima, weitergeleitet. Es ist sehr befremdend, dass wir vom Büro der Stadträtin bis dato keine Antwort (nicht einmal das Einlangen wurde bestätigt) auf dieses Schreiben bekommen haben. Das zeigt nicht von dem guten MITEINANDER, welches von Frau Stadträtin Mag. Sima immer wieder betont wird.

Nun gibt es auf Grund der neuen Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine weitere wissenschaftliche Arbeit und die Bestätigung von rennomierten Experten die dieser Universität angehören, dass eine erhöhte Gefährlichkeit von Hunden allein auf Grund ihrer Rassezugehörigkeit nicht gegeben ist. Lt. kynologischen Experten ist keine wissenschaftlich korrekt durchgeführte Studie bekannt, welche nachweist, dass Hunde der gelisteten Rassen ein höheres Gefährdungspotential aufweisen als Hunde mit vergleichbarer Größe und Statur von nichtgenannten Rassen oder Mischlingen.

Endbericht Sicherheitspolizeiliche Hundegesetzgebung 08.03.2019
Hundegesetzgebung: Studie der Vetmeduni Vienna

Auch die Wiener Tierärztekammer hat sich mit ihrem Schreiben an die amtsführende Stadträtin mehr als deutlich gegen etliche Inhalte im Wiener Tierhaltegesetz positioniert und ihre Bedenken in mehrerlei Hinsicht zum Ausdruck gebracht:
1. Rasseliste
2. generelle Maulkorb- und Leinenpflicht für Listenhunde
3. ex-lege Euthanasie, betrifft jede Rasse oder Mischlinge

Positionspapier der Wiener Tieraerzteschaft zur Novelle des Wiener Tierhaltegesetzes
Stellungnahmen zur Wiener Listenhundegesetzgebung / Frau DDr. Regina Binder / Frau A.Univ.Prof.Dr.med.vet. Irene Sommerfeld-Stur / Dr. Eva Wistrela-Lacek

Weltweit existieren zahlreiche Studien und keine einzige hat den Beweis erbracht, dass Hunde bestimmter Rassen gefährlicher sind als alle übrigen Hunde. Die neueste Studie der Vet. Med. Univ. Wien hat genau das noch einmal untermauert.

Wir fragen uns allen Ernstes, wieviele Studien und Expertenmeinungen brauchen die amtsführende Stadträtin Mag. Ulli Sima und die Wiener Landesregierung eigentlich noch, um endlich zu erkennen, dass eine rassespezifische Gesetzgebung nicht den geringsten Erfolg im Sinne der Reduzierung von Beißvorfällen bringen kann.

Es ist traurige Tatsache, dass trotz Rasseliste und zahlreicher Novellierungen des Gesetzes, bisher kein einziger Beißunfall verhindert werden konnte. Dafür haben wir ein Gesetz, welches in mehreren Punkten weder tierschutzkonform ist, noch mit dem Berufsethos der Tierärzte zu vereinbaren ist, verantwortungsbewusste Halter und ihre unauffälligen Hunde gegenüber der übrigen Gesellschaft diskriminiert, Ängste und Hass schürt und zur Verunsicherung in der Bevölkerung beiträgt.

Frau Stadträtin Sima sollte so fair sein, ihren Fehler, den sie 2010 mit der Erstellung und Einführung der Rasseliste gemacht hat, endlich einzugestehen und die Evaluierung des Wiener Tierhaltegesetzes, welche die Abschaffung der Rasseliste beinhalten muss, veranlassen.

Es ist ihre Aufgabe, durch ein sinnvolles Gesetz, das auf Gefahrenabwendung von auffälligen Haltern und auffälligen Hunden abzielt, und durch Prävention eine Situation in Wien zu schaffen, wo gesetzestreue Hundehalter und ihre unauffälligen Hunde, auch wenn es sich dabei um Hunde bestimmter Rassen handelt, mit allen Anderen, die sich ebenfalls ihrer Verantwortung in Punkto Hundehaltung bewusst sind, gleich behandelt werden.

Frau Stadträtin Mag. Sima legt ihren Worten zufolge sehr großen Wert auf ein FRIEDLICHES MITEINANDER, dann sollte auch sie durch eine Änderung des Wiener Tierhaltegesetzes IHREN TEIL DAZU BEITRAGEN!

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Österreichischen Staffordshire Bullterrier Club

 

(Der Brief ging per mail an die Abgeordneten des Wiener Landtags, Stadträtin Mag. Ulli Sima und Bürgermeister Dr. Michael Ludwig.)